Seite wird geladen

Eine kanaanäische Frau vertraut auf Jesus

(Matth. 15,21-28) In letzter Zeit hatte Jesus viel getan für andere und für seine Jünger. Er hatte viel geredet und gelehrt und das immer mit viel Geduld.
Nun merkte er, dass er dringend einmal eine kleine Pause brauchte. Deswegen verließ er Genezareth, wo er gerade war und zog sich nach Tyros und Sidon zurück. Dort lebten nicht sehr viele Juden und daher würden ihn auch nicht so viele kennen. Da würde es dann ein bisschen ruhiger um ihn sein und er könnte einmal zur Ruhe kommen und wieder Kraft sammeln.
Soweit der Plan.
Jesus ging mit seinen Freunden die staubige Straße entlang. Die Sonne schien ihm angenehm warm ins Gesicht, ein feiner Lufthauch strich ihm um die Nase, hin und wieder ließ sich ein Vogel hören und zwitscherte munter sein Lied. Jesus atmete tief durch. „Ah“, es war herrlich.
„Jesus?“, eine laute, flehende Stimme zerriss die Stille. „Jesus? Du bist doch Jesus, oder? Der, der anderen hilft, der, der Wunder tut, der, der heilt?“ Jesus seufzte und ging weiter.
Eine Frau aus Kanaan rannte hinter ihnen her. „Jesus, meine Tochter ist schwer krank. Ein böser Geist plagt sie und lässt ihr keine Ruhe. Bitte, erbarme dich. Hilf ihr, Sohn Davids!“
Jesus seufzte nochmal, ja, sie hatte ihn erkannt. Sie hatte von ihm gehört. „Sohn Davids“, David war ein großer König in Israel gewesen. Die Juden hofften, dass einmal ein Ur, Ur, Ur… Enkel von ihm der versprochen Retter, der Erlöser, der Messias war. Und den nannten sie „Sohn Davids“.
Heute war wieder ein schlimmer Tag. Ihrer Tochter ging es sehr schlecht. Verzweifelt musste die Mutter zusehen und konnte nicht helfen. Wie lange noch? Wie lange würde das noch so weitergehen? Niemand konnte ihr helfen.
Jetzt war ihre Tochter erschöpft eingeschlafen. Die Frau atmete tief durch und nahm sich einen Krug, um zum Brunnen zu gehen. Draußen blieb sie kurz stehen, um in der Sonne ein bisschen aufzutanken. Da hörte sie ihre Nachbarn miteinander tuscheln. „Hast du gehört? Jesus soll in unserer Gegend sein.“ Sie erstarrte. Jesus? Ihre Nachbarn waren Juden und hatten ihr schon einmal von ihm erzählt. Von den Geschichten, die er erzählte, von seinen Wundern. Dass er Menschen heilte. Einige Juden glaubten wohl, er sei der Sohn Davids, der Messias, der Retter. Wenn er hier war, er konnte ihrer Tochter helfen. Sie ließ den Krug stehen und eilte die Straße hinunter. Nach einiger Zeit, in der sie verzweifelt nach Jesus suchte, konnte sie eine Gruppe Menschen sehen. Da! Das dort musste er sein.
Sie rannte auf sie zu und rief: „Jesus?“ Vielleicht hatte er sie nicht gehört. „Jesus? Du bist doch Jesus, oder? Der, der anderen hilft, der, der Wunder tut, der, der heilt?“ Keine Reaktion, war das überhaupt Jesus? Doch, er musste es sein, sie musste näher kommen, damit er sie auch hörte. Sie rannte schneller und schrie. „Jesus, meine Tochter ist schwer krank. Ein böser Geist plagt sie und lässt ihr keine Ruhe. Bitte, erbarme dich. Hilf ihr, Sohn Davids!“ Immer noch sagte er kein Wort.
Die Frau lief weiter hinter ihnen her. Mit schriller Stimme rief sie immer wieder: „Sohn Davids, Jesus, bitte hilf meiner Tochter.“ Tränen rannen ihr über die Wangen, sie war verzweifelt. Er konnte ihr helfen, das wusste sie. Nein, sie würde nicht aufgeben. Immer wieder schrie sie um Hilfe.
Die Freunde von Jesus wurden unruhig. Es war ihnen unangenehm, dass da eine Frau hinter ihnen herlief und immer wieder schrie. Laut und verzweifelt. Sie zupften Jesus am Ärmel. „Also, wenn du ihr schon nicht helfen magst, dann schick sie doch bitte weg! Sie ist so laut. Das nervt und ist furchtbar peinlich.“
Jesus blieb stehen und blickte die Frau an. Auch sie blieb stehen und erwiderte seinen Blick. „Ich bin doch erst einmal zu Israel gekommen, um dort die Menschen wieder zum Vater zurückzubringen.“ Er sah ihr dabei in die Augen. Sie sah ihn weiter an und bat: „Herr, so hilf mir doch!“
„Es ist doch nicht in Ordnung, den Kindern das Brot wegzunehmen und es den Hunden vorzuwerfen.“ Die Freunde von Jesus hielten die Luft an, das war aber schon eine harte Antwort. Die Frau aber sah Jesus immer noch in die Augen. „Ja“, sagte sie. „aber dennoch bekommen die Hunde die Brotkrümmel zu fressen, die den Herren unter den Tisch fallen.“
Die Freunde von Jesus bemerkten, dass Jesus die Frau liebevoll anlächelte. Er sagte: „Frau, dein Glaube ist groß. Du lässt dich von nichts abbringen. Du hast wirklich großes Vertrauen in mich. Was du willst, soll geschehen. Deine Tochter ist wieder gesund!“
Da lächelte die Frau unter Tränen. Sie strahlte Jesus an. „Danke!“, war alles, was sie noch herausbrachte.